Publikationen Empfehlenswerte Artikel Demokratie lernen

1. Politische Bildung ist normativ!

Der freiheitliche Staat kann die Grundlagen seiner Existenz von Staats wegen dauerhaft nicht besorgen (Böckenförde). Er ist deshalb auf die ständige Akzeptanz seiner Bürgerinnen und Bürger angewiesen. Deshalb gilt: Die Demokratie braucht Demokraten. Niemand wird jedoch als Demokrat geboren. Die Entwicklung von Demokratiebewusstsein ist das stets zu erneuernde Resultat eines unabschließbaren Bildungsprozesses. Erst durch die Politische Bildung können die Voraussetzungen für eine funktionierende Demokratie geschaffen werden.

2. Das Leitbild der Politischen Bildung

Die Orientierung am Leitbild des demokratiekompetenten Bürgers verlangt die Förderung fachlicher Kenntnisse über Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. Sie verlangt die Förderung politischer Handlungsfähigkeit und die Entwicklung einer demokratischen Werthaltung, mithin also Kompetenzen, wie sie bereits in Artikel 131 Abs. 1 und 3 der Bayerischen Verfassung von 1946 verankert sind.

3. Demokratie Lernen in der Lehrerbildung

Die KMK hat in ihrem Beschluss vom 6. März 2009 eine „Stärkung der Demokratieerziehung“ angemahnt. Anzustreben ist daher die Institutionalisierung dieser Aufgabe in der Lehrerbildung. Im Rahmen der Vorlesung „Wertorientierte Politische Bildung“ bietet die Didaktik der Sozialkunde an der FAU deshalb im SS 2012 eine Fortbildungssequenz zum DEMOKRATIE LERNEN für Lehrerinnen und Lehrer aller Schularten und Fächer an.

4. Mindeststandards für die Lehrerbildung

Die zahlreichen Initiativen und Programme zum Demokratischen Handeln weisen leider aus der Sicht der Politischen Bildung ein Defizit auf. Sie leisten zwar die kognitive Rekonstruktion der gelebten Demokratie, stellen jedoch kaum die Verbindung her zur politischen und staatlichen Form der Demokratie. Sie nähren dadurch ungewollt ein politikfernes Demokratieverständnis, das die zentralen politischen Kategorien der Macht, des Interesses und der pluralistischen Konkurrenz ausklammert. Letztlich besteht dadurch die Gefahr, dass Lernenden ein naives Politikverständnis vermittelt wird, das durch die politische Realität notwendigerweise enttäuscht werden muss und dann der ohnehin verbreiteten Politikverdrossenheit weiter Vorschub leistet. In der Lehrerbildung müssen daher qualitative Mindestanforderungen für ein Konzept des DEMOKRATIE LERNENs sichergestellt werden.

5. Konzeptionelle Überlegungen

Der zu sichernde fachliche Mindeststandard muss ausgehend von einer

  • Behandlung der Theorien des Demokratielernens
  • die Verknüpfung von Sozialerziehung und Politischem Lernen sicher stellen.
  • Insbesondere ist die in der Sozialerziehung thematisierte und praktizierte Demokratie als Lebensform (Projekte Demokratischen Handelns) in ihrer strukturellen Ähnlichkeit aber auch in ihrer Differenz zur Demokratie als Ordnungs- und Herrschaftsform moderner Gesellschaften kenntlich zu machen.

6. (Mögliche) Bausteine eines Konzepts

Bausteine aus POLITIKWISSENSCHAFT u. STAATSRECHT:

  • Demokratietheorien (im Überblick)
  • Bedeutung der Streitbaren Demokratie
  • Bildungsziele im demokratischen Verfassungsstaat

Säulen eines Konzepts des DEMOKRATIE-LERNENS:

 

  • Säule 1: Förderung reflexiver Urteilskompetenz
  • Säule 2: SINN-Orientierung als übergreifendes Prinzip
  • Säule 3: Das Konzept der Demokratischen Schulgemeinde

 

Bausteine aus der POLITIKDIDAKTIK:

  • Das Re-education-Konzept
  • Emanzipatorische Konzeptionen
  • Rationalität der Urteilsbildung
  • Pragmati(sti)sche Konzeptionen

Bausteine aus den ERZIEHUNGSWISSENSCHAFTEN:

  • Das Values Clarification – Konzept
  • Theorie der moral-kognitiven Entwicklung
  • Kommunikationstheorie(n)

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